projekte ton + bild

ADOLF-WÖLFLI-PROJEKT2
adolf wölfli projekt2
// adolf wölfli
// töne
howdo youdo
mr. majakowski
 

Experimentell auf den Spuren von Adolf Wölfli
von Leonore Welzin / Heilbronner Stimme

Seit der fünften documenta Anfang der 70er Jahre ist Adolf Wölfli (1864 bis 1930) Kunstkennern ein Begriff. Obwohl er über 30 Jahre seines Lebens „verhaftet und nicht kuriert“ in der Irrenanstalt Waldau bei Bern verbrachte, hat der als schizophren diagnostizierte Künstler in seiner Schweizer Heimat den Status eines Nationalhelden erreicht, posthum versteht sich. Er gilt als erfindungsreichster Vertreter der Art Brut, dessen Werke mittlerweile auf dem Kunstmarkt fünfstellige Dollarpreise erzielen.

Die Reihe Kultur auf dem Weisenhof präsentierte im Weinsberger Klinikum „Staubdämonen und Sonnenkinder“, ein musikalisches Experiment im Gedenken an Wölfli, vorgetragen vom kleinen elektronischen Weltorchester aus Mannheim. Die Idee zu dem Projekt war vor rund 15 Jahren anlässlich einer Fernsehproduktion entstanden. Der Wölfli-Darsteller Bernd P. Köhler und der „Universal-Kapellmeister“ Hans Reffert haben mit Musikerfreunden aus dem filmisch biografischen Dokument eine musikalisch-literarische Performance erarbeitet.

Sie paradieren pfeifend und trommeln durch den Festsaal des Klinikums und bauen sich vor der Bühne auf. Köhler alias Wölfli rezitiert mit viel Emphase aus den phantastischen Erzähltexten, Gedichten, gereimter Algebra und abstrakten Buchstaben- und Zahlenkompositionen, ergänzt mit literarischen Miniaturen wie Beuyss- und Kubin-Zitaten. Begleitet wird er von Christiane Schmied, die auf elektronischem Instrumentarium die Klänge wie mit Zauberhand verfremdet, und vom Blasmusiker Matti Dörsam, der mal das Saxofon, mal die Klarinette schrill aufjaulen oder erschütternd wimmern lässt.