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Renaissance Sie sind noch nicht ausgestorben, die französischen Chansons. Und nicht nur im NaturFreundehaus Rastatt fanden sie begeisterte Aufnahme. Nein, Bernd Köhler (Gitarrist und Sänger) meinte sogar, den Hauch einer Renaissance dieser Gattung wieder zu spüren, die seit fast 30 Jahren nur noch Insidern ein Begriff ist. (...) Blandine Bonjour gefällt mit ihrer sprechenden, klaren Stimme. Ihr Witz funkelt aus jedem Ton, ihr Charme bezaubert, leuchtet durch jede Textzeile, jede Phrase der Melodie. Es war ein „Coup de Foudre” mit diesen beiden Interpreten, „eine Liebe auf den ersten Blick” mit ihrer kraftvollen und lebendigen Musikalität und der revolutionären Hoffnung, die sich in allen Themenbereichen ihrer Musik findet und der sie Stimme geben.(...) Martina Holbein im Badischen Tagblatt, 19. 04. 2010, Rastatt
Mit Respekt Bernd Köhler, älteren Aktivisten besser als „Schlauch“ bekannt, kultiviert seit den frühen Siebzigern das Liedgut deutscher und internationaler Arbeiter- und Revolutionsbewegungen. Und das nicht im stillen Kämmerlein. Mit seinem 1999 gegründeten kleinen elektronischen Weltorchester ewo2 tourt der Musiker und Komponist eigener Widerstandslieder heute erst recht munter durch die Republik; zuletzt sorgten sie auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin für Erbauung. Ihr Repertoire wächst beständig, weshalb nun das – soeben prämierte – Nachfolge-Album vorliegt. Erstaunlich, wie zeitlos aktuell die Texte alter Arbeiterhits wie dem Solidaritätslied von Brecht/Eisler, dem Bet und Arbeit (1863) von Georg Herwegh, dem Heckerlied oder dem wundervoll gesungenen Bergarbeitersong Sixteen Tons von Merle Travis bis in unsere Gegenwart hineinwirken. Auch, weil ewo2 den Stücken inhaltlich und musikalisch mit Respekt begegnen, ohne ihre Strahlkraft durch allzuviel Pathos zu erdrücken. jm in der ver.di-Mitgliederzeitung „publik” 12, 2009
Intelligent gegen den Strich gebürstet Das kleine Bremer Schallplattenlabel „Jumpup" von Matthias Henk ist erstmalig mit einer Produktion auf der Bestenliste des Preises der deutschen Schallplattenkritik vertreten - in der Sparte Lied und Chanson wurde die CD „avantipopolo2“ der Gruppe ewo2 in die jüngste Bestenliste aufgenommen. Das Ensemble um den Mannheimer Songschreiber und Sänger Bernd Köhler hat für dieses Album historische und aktuelle Revolutions- und Widerstandslieder neu bearbeitet und um Eigenkompositionen ergänzt. (...) Weser-Kurier - Kultur, 22. November 2009
Utopische Tendenzkunst Wenn sich früher die DKP-Genossen ans Absingen ihrer Hymnen machten, war meist Gruseln angesagt – angesichts der Vortragsweise und Doppelmoral der Vortragenden, nicht wegen der Lieder. Ob das italienische Partisanenlied „Bella Ciao“, das „Solidaritätslied“ von Brecht und Eisler oder das „Heckerlied“ der Badischen Revolution von 1848/49 – sie alle haben an Aktualität ebenso erschreckend gewonnen wie Michel Fugains „Chiffon Rouge“ über die Auseinandersetzungen um die Stahlreviere in Lothringen oder „Oh Fallada, da du hangest“, eine Vision von drohendem Faschismus und der Verrohung der Menschen in der ökonomischen Krise vom Team Brecht/Eisler. Das kleine elektronische Weltorchester – ewo² – um Bernd Köhler holt diese Lieder aus dem Mief der Mitsingveranstaltungen heraus und zwingt uns mit interessanten zeitgemäßen Arrangements zum Zuhören. Neben den linken „Klassikern“ finden sich auf dem Album auch drei ältere Lieder von Köhler – der für eine Demo in Bonn 1983 geschriebene „Stahlwerkersong“, dann passend zu den Atomplänen der neuen Bundesregierung „Seltsam Traum“, eine Aktualisierung seines „Brokdorfliedes“ von 1986, und der auch in der Liederbestenliste vertretene Titelsong, der sich auf das auf Köhlers erster LP 1972 veröffentlichte Stück „Lied zu singen in der Zeit des Spätkapitalismus“ bezieht. Bernd Köhler – auch bekannt unter dem Namen „Schlauch“ – steht seit vierzig Jahren in der Tradition der Künstler, die konsequent eine Verbindung von Politik und Musik verfolgen. Das kleine elektronische Weltorchester mit Christiane Schmied, Hans Reffert (Guru Guru), Laurent Leroi und Adax Dörsam – gegründet vor fast zehn Jahren für eine Multimedia-Inszenierung zum siebzigsten Todestag des russischen Revolutionspoeten Wladimir Majakowski – ist die Fortsetzung dieses Ansatzes mit neuen musikalischen Mitteln. Konstantin Wecker forderte im Folker angesichts der Verhältnisse vor einiger Zeit „utopische Tendenzkunst“. Wie die aussehen kann, zeigen Bernd Köhler und Ewo². Michael Kleff in „Folker”, (Magazin für Folk,. Lied und Weltmusik) 1/10
Arbeiterlied, Elektrobeat Arbeiterlied, Elektrobeat - Politische Arbeiterlieder in modernem, internationalen Sound: ewo2. »Das kleine elektronische Weltorchester–ewo2« mit dem Liedermacher Bernd »Schlauch« Köhler erschafft das Arbeiterlied neu: Alte und neue Kampflieder mit Klampfe, Akkordeon und elektronischen Klängen. Bertolt-Brecht-Klassiker im orientalischen Stil. Preisträger der deutschen Schallplattenkritik 2009. „metallzeitung”, Mitgliedermagazin der IG Metall, 02-2010
Nicht zu vergessen Eine der durchaus dankbar anzuerkennenden Eigenschaften der Zeit ist, dass sie bei allem Übel, das sie mit sich bringt, doch unterm Strich mehr Überlebende hinterlässt, als sie Opfer zu verzeichnen hat. So kann jeder von uns ein über das andere Mal zum Veteranen seines eigenen Lebens werden. Auch das politische Protestlied ist einer dieser Überlebenden seines eigenen Schaffens. Bernd Köhler und sein Musikprojekt ewo 2 haben das erkannt und sorgfältig darauf reagiert. Kämpferische Schmuckstücke Im Ludwigshafener Kulturzentrum das Haus präsentierten sie in großer Besetzung ihr neues Album "avantipopolo2" vor einem voll besetzten Haus. "Seid ihr guter Dinge?", fragt Köhler zur Begrüßung sein Publikum und stellt sein Orchesterensemble vor, das sich in den kommenden Konzertstunden mehr als bewähren wird. Hans Reffert, Christiane Schmied, Laurent Leroi, Adax Dörsam und Jan Lindqvist unterstützen Köhlers eindrückliche Theaterbühnenstimme bei ihrem Weg durch eine Sammlung politischer Lieder, die sich zwischen Akkordeon, Elektronika und indischer Slidegitarre zu kleinen, kämpferischen Schmuckstücken entwickeln. Von der Brecht'schen "Resolution der Kommunarden" über das historische "Heckerlied" bis Köhlers Eigenkompositionen wie " ... in dieser Zeit" zeigen ewo 2 die zeitlose Unzeitmäßigkeit des kämpferischen Liedguts, das vielleicht ein wenig schwerer atmet als früher, doch nicht vergessen werden darf bema, Mannheimer Morgen, 24. September 2009
Eindrucksvoll vertont Weltwirtschaftskrise und Globalisierung haben neues Interesse an Liedern des politischen Widerstands geweckt. Die Mannheimer Band ewo2 hat gerade ihre zweite CD mit solchem Liedgut und dem Titel „Avanti Popolo2” herausgebracht. Im dicht gefüllten Ludwigshafener „Haus” stellte die Band ihr neues Programm vor. (..) Auf einem anonymen Flugblatt basiert das „Heckerlied”, ein Revolutionslied aus Baden zur Vormärz-Zeit. Kämpferisch und engagiert deklamiert und sang Köhler. Ihm geht es darum, zu packen, mitzureißen. Auch die alten Klassiker von Bert Brecht/Hanns Eisler haben dazu Potential. Sei es die „Resolution der Kommunarden” oder das „Solidaritätslied”. Und weil dieses ein internationaler Appell ist, zupft Adax Dörsam arabische Melodien auf seiner Saz dazu. Laurent Leroi steuert ein fantasiereich und filigran gespieltes Konopfakkordeon bei. Hans Reffert ist ein Mann des Blues. Darum gab er eine eindringliche Interpretation des alten Klassiker „16 Tons”, der von der Ausbeutung amerikanischer Bergwerksarbeiter erzählt. Alles Leid der geschundenen Bergleute schrie er heraus, rau und wild und bluesig, von den wimmernden Klängen seiner Slide-Gitarre sparsam begleitet. Die Not des Volkes war auch für den russischen Poeten Wladimir Majakowski ein Thema, sei es in der Sowjetunion oder in Deutschland. „Schon” ist eine düstere Ballade über das Berlin der 30er Jahre, von Christiane Schmied in düsteren Klängen eindrucksvoll vertont. Die Keyboarderin zeigte den ganzen abend über ihre Qualitäten als Soundtüftlerin, die auch mal mit clubbigen Beats den alten Widerstandsliedern ein modernes Outfit verpasst. Etwas Optimistisches gab es noch mit „Chiffon rouge” von Michel Fugain. Und bei dem italienischen Partisanenlied „Bella Ciao” konnten alle mitsingen. Rainer Köhl in der „Rheinpfalz”, 24. September 2009
Duo Köhler und Bonjour begeistert mit Chansons Unter dem Titel „Une autre France – Chansons sans Cigare” stand in dieser Woche ein besonderer Liederabend mit Bernd Köhler und Blandine Bonjour im IG Metall Bildungszentrum Sprockhövel. Während Bernd Köhler – in der Ennepe-Ruhr-Region auch bekannt als „Schlauch“ – mit seinen Liedern und Interpretationen kein Unbekannter ist, gab es in diesem Konzert eine neue Konstellation. Mit der Französin Blandine Bonjour, die seit etwa 20 Jahren in Mannheim lebt, setzte das Duo an diesem Abend – wie könnte es anders sein - mit seinem Programm französische Akzente. Lieder aus dem anderen Frankreich. Das französische Chanson hat schon Generationen deutscher Liedermacher beeinflusst. So bekannte Künstler wie Reinhard Mey, Franz Josef Degenhardt oder Walter Mossmann nennen die Namen Francois Villon, Jacques Brel, Moustaki oder Georges Brassens, wenn sie über ihre Vorbilder oder ihre Inspirationen sprechen. Kaum eine Kultur hat einen so eigenwilligen Musikstil entwickelt wie die französische. Das Programm: ein buntes Bouquet, von den Spott-, Tanz- und Trinkliedern des neunzehnten Jahrhunderts über die politischen Lieder um die Pariser Commune, kraftvoll und mitreißend – aber auch die leisen, melancholischen Töne wurden perfekt und überzeugend vorgetragen. Eine tolle Kombination diese beiden Künstler: engagiert und kompetent. Man spürt, diese beiden Interpreten leben ihre Lieder! Und die Texte? Im Lied „Les Corons“ zum Beispiel, erzählt der Autor von seiner Kindheit, über den Norden, wo die Erde Kohle war, wo es Bergarbeitersiedlungen gab und am Horizont den Himmel. Wie nah Frankreich damit dem Ruhrgebiet, dem Kohlenpott doch ist! Die Seidenweber „Les Canuts“ webten die feinsten Stoffe für Könige und Fürsten, hatten aber selbst kein Hemd am Leib. Sie gingen 1831 auf die Straßen Lyons, um ihren Mindestlohn zu verteidigen. Für die zahlreichen Seminarteilnehmer des Gewerkschaftszentrums war’s eine aktuelle Erinnerung an die derzeit geführte Diskussion um den Mindestlohn in Deutschland. Kein Wunder, dass gerade dieses Lied vom Publikum mit starkem Beifall quittiert wurde. WAZ (Westfälische Allgemeine Zeitung – Westfälische Rundschau, 25. April 2009
„If I c'ant dance... …it’s not my revolution!“, erklärte Emma Goldman 1931 und welche/r Aktivist/in kann sich ihr nicht anschließen. Was ist eine politische Bewegung ohne ihre Musik? Schöne Klänge mit durchdachten Texten gibt es von Clara Luzia. Lieder wie „Lucky Gal“ machen Mut, Gegenideen zum Vorhandenen zu entwickeln und zu vertreten: „look what a lucky gal I am/the only thing I have to fight/is homophobia/racism, and sexism“. Wer will kann sich am 16. April bei der Release-Party ihrer neuen CD "the ground below" im WUK selbst überzeugen. Ebenso hörenswert ist die Arbeit des Kleinen elektronischen Weltorchesters (ewo²) aus Mannheim, das gerade den Creole-Sonderpreis mit dem Motto “Der Utopie auf die Beine helfen” gewonnen hat. Dieser würdigt die Arbeit von “Musikgruppen, die jenseits von kommerziellen Zielen unbeirrt musikalische Expeditionen zu neuen Stilen und fremden Klangwelten unternehmen”. Musik gegen die Krise macht die Gruppe um den Liedermacher Bernd Köhler, der in den letzten Jahrzehnten schon umfassend politisch aktiv war. Gut, dass Lieder wie “Gute Tradition (Nazis raus aus unsrer Stadt)” zeitlos hör- und tanzbar ist, denn notwendig sind sie leider immer noch. Freuen können sich die LiebhaberInnen politischer Musik auch schon auf die neue Platte von Palindrome. Die niederösterreichische Band ist gerade dabei ein Konzeptalbum fertigzustellen mit Texten, „die sich alle ums Produktionssystem drehen”, wie Sängerin Rosa Nentwich-Bouchal erklärt, “um die Anforderungen, die es an uns als Mensch stellt, womit es uns ablenkt und auch um die Frage, wo wir denn alternativ hinsteuern sollen”. Lebhafte Musik und poetische Worte wie “Monologue of the State” fordern auf zum Kampf um eine gemeinsame Idee, in deren Richtung zu leben es sich für mehr Menschen lohnen würde als dies heute der Fall ist. Auf die Platte “Profit vs. WoMankind” müssen wir noch bis Herbst warten, einen Vorgeschmack gibt es jedoch schon jetzt auf der Homepage und am 25. April bei einem Konzert im Café Concerto in Unplugged-Version. UNIQUE - Wien, Nummer 04-09
Wo tanzt der rote Stern? Auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz spielen Bernd Köhler und ewo2 Bernd Köhler ist schneller als die Klischees. Vergleichbar mit Lucky Luke, der auch schneller zieht als sein Schatten. Sozusagen die Avantgarde in der eigenen Propaganda. Deshalb ist er natürlich besser als manche seine Linernotes, in denen tatsächlich ein »bunter Strauß neuer Songs und Texte« annonciert wird. Logischwerweise ist er auch viel interessanter als sein Genre, file under »deutsche Liedermacher«, ratzepüh. Das liegt unter Umständen daran, daß er aus Mannheim kommt, file under Arbeiterbewegung, Herbert-Mies-City. Liegt gegenüber von Ludwigshafen, der Helmut-Kohl-Stadt. In der Gegend hat man die Gesamt-BRD mit ihren Minderheit-Mehrheit-Widersprüchen ziemlich gut im Autofocus. Bernd Köhler ist aber vor allem schneller als die Klischees, weil er direkt zur Sache kommt. Einfache Worte für die großen Dinge. Liebe und Revolution, darunter geht nichts, gerade im Alltag. Der ist nämlich keine Entschuldigung, sondern zu verändern. Soviel zur berühmten Inhaltlichkeit, die angeblich die Form bestimmt. In Wahrheit bilden aber Form und Inhalt ein dialektisches Verhältnis, schrauben sich gegenseitig hoch oder schreiben sich gegenseitig ab und nieder. Bei Köhler ist die Musik sehr bedacht. Die läuft nicht nur mit, sondern macht sich eigenständig, traut sich was, haut rein, schwankt auch mal und kitzelt. Sie wartet und rauscht davon, will was und kommt zurück. Bei Liedermachern selten anzutreffen. Da gibt es immer noch das Gitarrengehaue (1.Generation), die süßliche Weltmusik (2.Generation) und neuerdings das Indiegepose (3. Generation). Köhler kennt sie alle und macht lieber Kunst. Und so kommt es, daß er und ewo2, »das kleine elektronische Weltorchester« die Klassiker der Linken spielen, ohne daß die Leute für dumm verkauft werden. Auf der Platte »avantipopolo« gibt es keinen Kitsch, keine Überwältigungsästhetik und keine Oldies-but-Goldies-Lügen. Ewo2 können sogar »Die Internationale« bringen, daß man ganz gespannt ist. Sehr vorsichtig, fast schon zärtlich wird das Lied extrapoliert. »Free Mumia« dann mit Schmackes, Big Beat und Call and Response und »Linker Marsch« eher ironisch, aber nicht denunziatorisch. Denn Köhler spielt »für die Sache der Linken« (Ulrike Meinhof). In den 60ern fing er schon damit an, machte Skiffle und dann in den Siebzigern und Achtzigern die große Tour über die Berge und durch die Wüste der Jugendzentren, Gewerkschaftshäuser, DKP-Kampagnen und Streikcafés. Da hieß er noch »Schlauch« und hielt die Gitarre für alle Fälle. Mit »Gute Tradition (Nazis raus aus unsrer Stadt« im Mannheimer Rosengarten 1978 gegen die NPD oder dem »Stahlwerkersong« 1983 für die große Kumpel-Demo in Bonn 1983 – kein Ding, links, links, links. Einfache Mitmach/Mitsinglieder, auch heute noch viel weniger museal, als man befürchten könnte. Aber vor allem hat sie Köhler im Mai 1989 selber noch mal öffentlich betrachtet und geprüft. An zwei Abenden hat er zusammen mit Hans Reffert, der auch beim ewo2 mitspielt, eine Veranstaltung gemacht, die nannte er »Bernd Köhler singt Schlauch«, und auf dem Bühnenhintergrund war eine Rote Fahne mit Fragezeichen. »Linker Vogel/Schräger Kauz« sang er da und alle wußten, vorbei, vorbei, aber egal, war ja wahr und wird wahr bleiben. Wenn die alten Modelle auseinanderfallen, braucht man eben neue. Und genau die hat die handelsübliche Sozialdemokratie am wenigsten zu bieten. Auf seiner Platte »Die neue Welt« hat Köhler 2007 aus dem Untergang des Realsozialismus eine Art kurzes Sprechgesangtheaterstück geformt: »Der Frachter wurde in voller Fahrt getroffen / Dampf unterm Kessel, stramm gegen den Wind / früher hieß es noch wegbrechende Märkte / oder zu große Riskiken der Eigner / hätten zum Absaufen geführt – doch das? (…) wir hatten Fracht geladen / bis unters Deck gestapelt, feinste Ware (…) dann sahen wir die Rudel von Helikoptern, wie sie einschwenkten / über dem aufgerissenen Schiffsbauch die Waren aushoben / unsere Schreie und Hilferufe – einfach ignoriert (…) rechtlos, vogelfrei, irgendwann dann versenkt – im friendly fire«. Dazu bohrt die Musik, als wäre es ein frühes Stück der Velvet Underground. Köhler hat sich das alles gut überlegt. Er will den »roten Stern zum tanzen bringen«. Abends auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz. Von Christof Meueler – JungeWelt (Berlin) - 30.12.2008 - Feuilleton - S 13
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