Renaissance
Sie sind noch nicht ausgestorben, die französischen Chansons. Und nicht nur im NaturFreundehaus Rastatt fanden sie begeisterte Aufnahme. Nein, Bernd Köhler (Gitarrist und Sänger) meinte sogar, den Hauch einer Renaissance dieser Gattung wieder zu spüren, die seit fast 30 Jahren nur noch Insidern ein Begriff ist. Blandine Bonjour gefällt mit ihrer sprechenden, klaren Stimme. Ihr Witz funkelt aus jedem Ton, ihr Charme bezaubert, leuchtet durch jede Textzeile, jede Phrase der Melodie. Sie „spricht” klar und sehr deutlich, findet in ihrem vielfältigen Timbre für jede Aussage die entsprechende Klangfarbe. Was so theoretisch klingt, entspringt einer natürlichen, ursprünglichen Musikalität, der Stimme, die „aus dem Bauch” kommt und auf eine feinsinnige Art kultiviert wird. Authentisch die Melancholie in „Les feuilles mortes” von Jacques Prévert und wunderschön sinnierend „Ma Liberté” von Georges Moustaki. Mit Serge Gainsbourgs „Akkordéon”, einer Hommage an den einzigen Freund, den Blandine Bonjour stilsicher durch eine Melodika zu ersetzen weiß, träumt sie einen Musette-Walzer. Es war ein „Coup de Foudre” mit diesen beiden Interpreten, „eine Liebe auf den ersten Blick” mit ihrer kraftvollen und lebendigen Musikalität und der revolutionären Hoffnung, die sich in allen Themenbereichen ihrer Musik findet und der sie Stimme geben.
Martina Holbein im Badischen Tagblatt, 19. 04. 2010, Rastatt