DER MANNHEIMER ALSTOM-CHOR IM JAHR 2005:
Von links: Horst Richter, Giovanni Sarro, Melanie Chubb, Jürgen Vierling, Monica Roos, Helga Amail-Schoder, Heike Birkhahn, Siegfried Höpfner, Bernd Köhler, Wolfgang Alles, Helmut Hoffmann. (Foto: Willi Hölzel)
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WIDERSTAND (AUCH) MIT MUSIK
Text zur Gründung des Chors im Jahr 2003 (aus den „Nachrichten für Vertrauensleute” der IG Metall-Vorstand)
Der Konzern ALSTOM Power will am Standort Mannheim-Käfertal 700 Arbeitsplätze abbauen. Jeder Zweite im Kraftwerksbereich wäre betroffen. Begründet wird diese Maßnahme mit der hohen Verschuldung des Konzerns (5,3 Mrd. Euro) und der derzeit schlechten Auftragslage im Kraftwerksbereich.
Weltweit sind von den 11 000 Beschäftigten in der Sparte Turbo-Systeme insgesamt 3000 Arbeitsplätze bedroht. Dazu gehören Standorte in Frankreich, Polen, England, in der Schweiz und in Deutschland. Weitere Maßnahmen in den anderen Sparten sind bereits angekündigt.
Von Betriebsrat und Belegschaft wird dieser Plan als entscheidender Schritt zur Zerschlagung des traditionsreichen Mannheimer Standortes verstanden. Seit Bekanntgabe der Abbaupläne im Frühjahr 2003 hat sich die Gegenwehr der Alstom-KollegInnen gegen die Abbaupolitik gesteigert. Mehrere Arbeitsniederlegungen, gemeinsame „Besuche“ von Aufsichtsratsitzungen, Demonstrationen in der Mannheimer Innenstadt und eine internationale Aktion in Paris haben gezeigt, dass das Käfertaler Motto „résistance - Widerstand“ keine leeren Worte sind.
Auf der Rückfahrt von Paris kam dann die Idee mit dem Lied auf. Bernd Köhler, ein bekannter Liedermacher aus der Region konnte gewonnen werden Text und Musik zu schreiben. Über eine Mitteilung in der VL-Konferenz und per E-Mail-Rundruf wurde das Projekt bekannt gemacht. 10 Interessierte fanden sich zusammen. Geprobt wurde im Betrieb, im Besprechungszimmer des Betriebsrats. Zum Beispiel in der Mittagspause. So entstand der kleine „Alstom-Chor“. Bernd Köhler übernahm die Leitung der Proben. Musikalische Unterstützung kam per Akkordeon von Helmut Hoffmann, Betriebsrat bei Bopp und Reuther.

Der Tontechniker Rüdiger Bischoff organisierte die Aufnahme und stellte dem Lied eine Reportage mit Stimmen von KollegInnen und Statements der „Chor-Leute" voran. So entstand nicht nur eine Liedproduktion sondern ein informativer akustischer Werbeträger für das Anliegen der Alstom-Beschäftigten. Und es entstand ein Kulturprodukt von KollegInnen für KollegInnen.
:. ALSTOM-RESISTANCE-WEBSITE
:. Kontakt + CD bestellen > über Andrea Lang (BR-Büro, Alstom)
:. Text und Noten des Résistance-Liedes > über Bernd Köhler
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Fotos von oben nach unten: Der erste Auftritt 2003 / beim AEG-Streik in Nürnberg 2005 / Alstom-Betriebsversamlung 2004 /
CHOR - STIMMEN
„Wir sind ja nicht der einzige Betrieb wo Derartiges läuft, sondern es sind ja hunderte Betriebe, und wir wollen hier jetzt mal ein Zeichen setzen, und wollen aufmerksam machen, dass man dagegen angehen muss und angehen kann, und dazu ist das Lied ein kleiner Mosaikstein.“
Jürgen Vierling, VK-Leiter und Betriebsrat
„Man muss immer zu unkonventionellen Mitteln greifen, und man kann auch mit Tönen, mit leisen und mit lauten Tönen gegen das Kapital anstinken, auf jeden Fall muss man es versuchen.“
Helmut Hoffmann, Vertrauensmann und Betriebsrat
„Ich denke, da muss man vorne mit dabei sein und mit Sicherheit kann man mit Musik einiges erreichen.“ Monica Roos, Vertrauensfrau und Betriebsrätin
„Ja, das soll auch in die Ohren gehen. Ich singe eigentlich sehr gern, mir macht’s Spaß, ich singe auch im Geschäft, wenn’s was zu singen gibt.“
Heike Birkhahn, Vertrauensfrau
„Ich höre gerne, wenn jemand singt, eigentlich ist es nicht meins, weil, ich bin nicht so musikalisch, aber man muss alles versuchen, um die Lage zu verbessern und deswegen bin ich dabei. Das macht jetzt sogar Spaß.“
Siegfried Höpfner, Vertrauensmann und Betriebsrat
„Musik war immer auch ein Bestandteil von Widerstandsbewegungen und das müssen wir neu begründen jetzt, die Zeit ist reif dafür, dass wir Derartiges machen.“
Wolfgang Alles, Vertrauensmann und Betriebsrat
„Also ich bin an sich im Gesangsverein, deswegen mache ich auch hier mit. Für meinen Arbeitsplatz mache ich natürlich alles.”
Horst Richter, Vertrauensmann
„Einen gesunden Humor braucht man dazu, diese Sache auch zu überstehen. Es kostet immerhin Kraft, wir sind ja seit 1987 hier ständig im Kampf.”
Helga Amail-Schoder, Vertrauensfrau und Betriebsrätin
„Ich habe mal im Kirchenchor gesungen, das ist jetzt aber schon 20 Jahre her und ich singe jetzt aus Solidarität mit meinen Kolleginnen und Kollegen. Deshalb bin ich dabei. Ich will denen zeigen, dass ich mit ihnen fühle und leide.”
Giovanni Sarro, Vertrauensmann und Betriebsrat



Fotos von oben nach unten: Alstom-Betriebsversammlung 2004 / Solifest: „Ohne Arbeit stirbt die Stadt”, Mannheim-Capitol, 2005 / 5 Jahre Alstom-Chor, gemeinsamer Auftritt mit Joana und ewo2 (vorne: Hans Reffert) - 2007
>> ALSTOMCHOR - AKTUELL
Der AlstomChor auf der Kundgebung:
„Wir zahlen nicht für eure Krise”, Stuttgart, 20. März 2010 >> Fotos
„MIGRANT WORKERS” Diskussionsveranstaltung und Konzertbegegnung zwischen AlstomChor-Mannheim und eine Musikgruppe der „Migrant-Workers” (Wanderarbeiter) aus Bejing (China)
Veranstalter: „Forum Arbeitswelten” und VK-Alstom-Power, Mannheim
>Samstag - 23. Oktober 2010